Band 12, Heft 2-3, Seite 182-198

Grunwald, T., & Schäfer, F.: Aktivität von Fledermäusen im Rotorbereich von Windenergieanlagen an bestehenden WEA in Südwestdeutschland - Teil 2: Ergebnisse
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Beschreibung

Zusammenfassung

Erkenntnisse zur Höhenaktivität von Fledermäusen im Rotorbereich von Windenergieanlagen(WEA) in Zusammenhang mit dem Auftreten von Schlagopfern haben in jüngster Vergangenheit zu einer verstärkten Berücksichtigung dieser Thematik im Rahmen von Genehmigungsverfahren geführt. Aufgrunddes oft nicht sicherprognostizierbaren Konfliktrisikos ist der Betrieb von WEA mittlerweile nicht selten an Auflagen zur Wirkungskontrolle hinsichtlich potenzieller Beeinträchtigungen der Fledermausfauna nach Inbetriebnahme der Anlagen gebunden. Mit der vorliegenden Arbeit werden die Erkenntnisse einer Untersuchung zur Höhenaktivität von Fledermäusen an vier verschiedenen Standorten in Südwestdeutschland ausden Jahren 2005 und 2006 vorgestellt.
Zur akustischen Erfassung der Höhenaktivität von Fledermäusen wurde ein Funkübertragungssystem für Echtzeitaufhahmen entwickelt, mit dem die verlustfreie Dokumentation von Fledermausrufen möglich ist. Die Erfassungseinheiten wurden jeweils an den Gondeln der Windenergieanlagen sowie am Boden als Referenz aufgebaut, um somit Ergebnisse aus dem Rotorbereich der Bodenaktivität gegenüber zu stellen.
In der Messzeit von 688,5 Stunden wurden für die bodennahe Aktivität und die Höhenaktivität insgesamt 3.845 Fledermauskontakte von 14 Arten erfasst. Dabei entfielen 3.443 Kontakte von 11 Arten auf die bodennahe Aktivität. Von Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus), Großem und Kleinem Abendsegler (Nyctalus noctula, N. leisleri) konnten 402 Höhenkontakte festgestellt werden. Darüber hinaus lag ein Schlagopferfund der Rauhhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) vor, womit auch für diese Art zumindest ein indirekter Nachweis einer Höhenaktivität belegt wurde. Den übrigen zehn Fledermausarten konnten keine Aktivitäten im Rotorbereich von Windenergieanlagen nachgewiesen werden.
Die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) zeigte mit 0,6 K/h im Rotorbereich gegenüber den anderen Arten die höchste Aktivitätsdichte. Beim Großen und Kleinen Abendsegler ergaben sich Werte zwischen 0,2 und 0,3 K/h. Alle drei Arten zeigten überwiegend Ortungsrufe und nur wenige Jagdsequenzen im Rotorbereich. Offensichtlich haben die in der Höhe erfassten Individuen aller drei Arten nur sehr selten gejagt. Aufgrund dieser Erkenntnis ist zu vermuten, dass sich die Nahrungsverfügbarkeit - und somit möglicherweise auch die Windgeschwindigkeit - auf die Nutzung des freien Luftraumes weniger stark auswirkt als bisher vielleicht angenommen.Dieser Aspekt zeigt, dass Fragen zur Korrelation von Höhenaktivität und Witterungsfaktoren nicht gänzlich losgelöst von den jeweils festgestellten Verhaltensweisen betrachtet werden können. Die allgemein verbreitete These, dass Fledermäuse durch Insektenschwärme an einigen Anlagentypen angelockt werden, konnte durch die hier gewonnenen Erkenntnisse nicht bestätigt werden kann.

Bei der Betrachtung abiotischer Faktoren wie der Windgeschwindigkeit nahm die Aktivitätsdichte bei allen Arten mit zunehmender Windgeschwindigkeit erwartungsgemäß ab. Für den dargestellten Windgeschwindigkeitsbereich konnte für die Gesamtaktivität eine Abnahme um ca. 0,1 K/h pro m/s festgestellt werden, wobei die Aktivitätsdichte allerdings keine klare lineare Beziehung zur Windgeschwindigkeit aufwies. Die Windgeschwindigkeitswerte, ab denen eine deutliche Abnahme der Aktivität zu verzeichnen war, bewegten sich dabei tendenziell im Bereichvon 5 m/s beim Kleinen Abendsegler,6-7 m/s bei der Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) und 8 m/s beim Großen Abendsegler. Zur Konsolidierung der Ergebnisse sind in weiteren Untersuchungen allerdings vor allem Messungen bei höheren Windgeschwindigkeiten notwendig.Temperatur und Luftfeuchtigkeit haben generell einen entscheidenden Einfluss auf die Aktivität und Raumnutzung von Fledermäusen. Die hier gewonnenen Ergebnisse bestätigen die Erwartung, dass die Aktivität auch in der Höhe mit steigender Temperatur zunimmt und bei zunehmender Luftfeuchtigkeit geringer wird.

Die Ergebnisse der Untersuchungenzeigen hinsichtlich der Höhenaktivität eine klare artspezifische Differenzierung für die hier untersuchten Standorte. Eine Übertragung der Ergebnisse auf strukturärmere Gebiete ist nicht ohne weiteres möglich, da nicht gesichert ist, ob die Arten, sofern sie im offenen Gelände auftreten, in diesen Bereichen ähnliche Verhaltensmuster zeigen. Untersuchungen zur Höhenaktivität von Fledermäusen an Standorten im Offenland sind deshalb dringend notwendig.
Während die vorliegenden Ergebnisse Prognosen zum potenziellen Kollisionsrisiko in Wald- und Waldrandbereichen hinsichtlich der betroffenen Arten erlauben, sind Aussagen über das tatsächlich zu erwartende Ausmaß an Individuenverlusten weder generell noch im Einzelfall
möglich. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass ggf. auch nach einer eingehenden Untersuchung der bodennahen Aktivität mit den herkömmlichen Mitteln (z.B. Detektorbegehungen) keine Rückschlüsse auf die zu erwartende Höhenaktivität möglich sind. Vor allem bei den Abendsegler-Arten (Nyctalus noctula, N. leisleri) zeigte sich, dass eine hohe allgemeine Aktivität in einem Gebiet nicht gleichbedeutend mit einer erhöhten Aktivität im Rotorbereich ist bzw. umgekehrt.

Summary

Bat activity in the rotor sweep area of wind turbines in windparks of south western Germany

New findings regarding the flying activity of bats in the rotor sweep areaofwind turbines in combination with encountered collision fatalities have recently led to an increased awareness of this topic during respective application and permitting processes. Due to non-foreseeable conflict risk, the operation of wind turbines nowadays is frequently tied to requirements regarding the analysis of impact and potential interference with the bat fauna after the commissioning date. This paper presents the findings from a study of the flying activity of bats in high altitude at four different locations in the south-west of Germany during 2005 and 2006.

To capture the activity of bats in higher altitudes acoustically, a radio-transmitter system for real-time recording was developed which is able to document bat calls without transmission losses. The transmitter units were installed both at the turbine gondola as well as on the ground as reference to be able to compare the results from higher altitudes with ground activity.

During an observation period of 688.5 hours, 3,845 bat contacts including 14 different species were documented for ground and high-altitude activity. 3,433 of these contacts from 11 species could be attributed to ground activity. 402 high-altitude contacts were detected from the Common pipistrelle (Pipistrellus pipistrellus), Noctule bat (Nyctalus noctula)and Leisler's bat (Nyctalus leisleri). In addition, a collision fatality of a Nathusius's pipistrelle (Pipistrellus nathusii) was encountered as indirect evidence for high-altitude activity of this species. However, no flying activity in the rotor sweep area of wind turbines could be confirmed for the remaining 10 species.

The Common pipistrelle (Pipistrellus pipistrellus) showed the highest concentration of activity in the rotor sweep area(0,6 K/h). Respective values for Noctule bat and Leisler's bat were between 0,2 and 0,3 K/h. All three species showed mainly orientation calls and only few hunting sequences in the rotor sweep area. Apparently, the documented individuals from all three species were rarely hunting in higher altitudes. This result leads the authors to assume that the availability of food - and potentially the wind velocity - has a smaller influence on the use of the flying areathan traditionally thought.

This aspect furthermore shows that issues regarding correlation of high-altitude activity and weather conditions can not be analysed independent from behavioural aspects. The commonly presumed hypothesis of bats being attracted by swarms of insects around the installations could not be confirmed by the results of this study.

Regarding abiotic factors like wind velocity the analysis resulted, as expected, in a decrease of activity concentration for all species with increasing velocity. For the analysed velocity range the decrease was measured at approximately 0.1 [K/h] per [m/s] for the activity as a whole, however, with the activity concentration not showing a clearly linear relationship to wind velocity. With regard to specific species, the results show a clear decrease in activity for velocities higher than 5 [m/s] for Leisler's bat (Nyctalus leisleri), 6-7 [m/s] for the Common pipistrelle (Pipistrellus pipistrellus) and 8 [m/s] for the Noctule bat (Nyctalus noctula). Further studies are needed especially in higher wind velocities for confirmation of these results. In addition, temperature and humidity generally have a decisive influence on activity and habitat usage of bats. The results at hand confirm expectations that activity, also in higher altitudes, increases with rising temperatures and decreases with increased humidity.

The study shows furthermore a clear differentiation between species regarding the activity in higher altitudes at the investigated locations. Transferring the results to more open areas is not possible offhand, because it is uncertain that the species show comparable behavioural patterns in other types of terrain. Studies analysing high altitude activity ofbats in open terrainare therefore imperatively necessary.

Despite the fact that these results allow estimates of potential collision risks for the respective species in forested areas as well as edges of forests, forecasts regarding the amount of actual loss of individual bats are not possible, neither in general nor for specific cases. The outcome of the study implies that even after detailed analysis of groundactivity with traditional means(e. g. grounddetectors) no inference can be made regarding expected highaltitude activity. Especially for Noctule bat (Nyctalus noctula) and Leisler's bat (N. leisleri) a high general activity in the area was not tantamount to an increased activity in the rotor sweep area and vice versa.

Erscheinungsjahr:
2007
Sprache:
Deutsch
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