Band 12, Heft 2-3, Seite 238-252

Dürr, T.: Möglichkeiten zur Reduzierung von Fledermausverlusten an Windenergieanlagen in Brandenburg
Verkaufspreis2,50 €
Beschreibung

Zusammenfassung

Vor dem Hintergrund, dass globaler Umweltschutz nicht aus Gründen der wirtschaftlichen Windausbeute zu lasten des Artenschutzes erfolgen muss, werden Möglichkeiten aufgezeigt, unnötige Fledermausverluste durch WEA deutlich zu reduzieren bzw. zu vermeiden. Dies ist dringend erforderlich, weil, wie eine modellhafte Berechnung für Brandenburg zeigt, bereits die Anordnung der Windeignungsgebiete für Fledermäuse mit Zugrichtung von Nordost nach Südwest, auf etwa 57 % der Landesfläche Barrierewirkung entfalten könnte. Unklar bleibt nach wie vor eine Reihe von Faktoren, die bei den einzelnen Arten zu Unfällen an WEA führten. Wesentlichen Einfluss auf die Reduzierung von Fledermausverlusten nimmt eine ausführliche Standortvoruntersuchung. Vor allem die Nähe der WEA zu Gehölzstrukturen, offenbar aber auch die Art der Leuchtbefeuerung (vor allem blitzartiges Stroboskoplicht) scheinen die Höhe von Fledermausverlusten an WEA wesentlich zu beeinflussen. Nach fachlicher Einschätzung besteht besonders während der Quartiererkundungsphase (Mitte Juli bis Anfang August) und während des Herbstzuges (Anfang August bis Anfang Oktober) ein besonders hohes Unfallrisiko für Fledermäuse an WEA, während es von Ende Mai bis Anfang Juli gering zu sein scheint. Mehrere Punkte unterstreichen vor allem den besonders hohen Gefahrdungsgrad der fernziehenden Arten Großer und Kleiner Abendsegler (Nyctalus noctula, N. leisleri), Rauhhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) und Zweifarbfledermaus (Vespertilio murinus) durch WEA,
denn
1. auf diese vier Arten entfallen etwa 80 % aller in Brandenburg dokumentierten Verluste,
2. während des Zuges treten die o. g. und einige weitere Arten auch außerhalb von Gehölzstrukturen in der offenen Landschaft und in größeren Höhen (weit >50 m) auf,
3. etwa 90 % dieser Tiere verunglücken während der Quartiererkundungs-, Balz- und Paarungszeit sowie während des Herbstzuges, d. h. zwischen Mitte Juli und Anfang Oktober - diese Zeit ist, zumindest bis Anfang September, überwiegend windarm und damit auch relativ ertragsarm für Windkraftbetreiber.

Für 69 von 444 beantragten WEA (15,5 %), die in Brandenburg an kritischen Standorten mit mittleren bis hohen Flugaktivitäten errichtet werden sollten, wurden tages- und jahreszeitlich befristete Abschaltzeiten zum Schutz von Fledermäusen festgelegt. Erste Ergebnisse von Untersuchungen zum Einfluss der Windgeschwindikeit auf das Auftreten von Fledermäusen im Gondelbereich deuten an, dass es alternative Möglichkeiten zu vollständigen Abschaltzeiten gibt. Als Fazit aus den Erkenntnissen, dass sich Fledermausverluste durch Einhalten eines Abstandes von 150 m plus Rotorradius von sämtlichen Gehölzstrukturen zum Mastfuß von WEA mit Ausnahme des Zuggeschehens auf Zufallsniveau reduzieren lassen und dass die meisten Verluste in einem engen Zeitfenster auftreten, ergeben sich zwei Möglichkeiten, den Schutz vor Schlagopfern von Fledermäusen an WEA wesentlich zu verbessern:
1. Einhalten eines Abstandes von 150 m plus Rotorradius, was bei den derzeit gängigen Anlagentypen etwa 190 bis 200 m Abstand zwischen Mastfuß und entsprechenden Strukturen, d. h. zu allen Gehölz- und Gewässerstrukturen, entspricht,
2. Anwendung von betriebsbedingten Abschaltzeiten bei >1,33 Flugaktivitäten je Stunde und Standort (ermittelt mit stationären Horchboxen).

Summary

Methods to reduce bat casualities at wind turbines in Brandenburg

Against the background that global environmental protection should not be persuaded against the goals of species protection for the sake of economical gain, the author shows possibilities to reduce or avoid bat casualities by wind turbines. This is urgently needed since the establishment of areas for potential wind farms within the 5 regional plans of Brandenburg, and taking into account the cumulative effects of those wind parks on each other, these will establish a barrier for bats migrating from the northeast to the southwest on 57.2% of the surface of Brandenburg. A number of factors leading to casualities at wind turbines remain unclear. An intensive site selection has however major influence on the reduction of bat casualities. Mainly the proximity of wind turbines to vegetation structures (maximally 150m plus blade radius), but also the illumination type (mainly flashing stroboscope light), seems to have an influence on the amount of bat casualities at wind turbines. According to our estimation, there is a high risk of collision for bats during the phases of roost investigation (mid July to beginning of August) and during the autumn migration (beginning of August until beginning of October), whereas risks seem to be low from end of May to beginning of July. Several factors underline the elevated risk by wind turbines for migrating species such as common noctules (Nyctalus noctula), Leisler's bats (Nyctalus leisleri), Nathusius' bats (Pipistrellus nathusii) and parti-coloured bats (Vespertilio murinus):
1. About 80 % of all bat casualities in Brandenburg cover these four species.
2. During migration, the above mentioned species as well as some other species also fly high above Vegetation structures and occur in open landscapes in hights well above 50m.
3. About 90 % of all bats are killed during the phase of roost investigations, during the mating period and during the autumn migration (i. E. during mid-July to be ginning of October); this period is usually less windy and therefore not very profitable for wind companies.

For 69 out of 444 requested wind turbines (15,8%) which were to be positioned at critical sites with medium and high flight activities, disconnecting times were fixed, limited on the time of day or season. First results of our research on the influence of wind speed on the presence of bats around nacelle height indicate that there are alternative possibilities to the complete stop of the wind turbines.

As a result from the finding that bat casualities can be reduced to a rather accidental level - with the exception of migration time - by keeping a distance of 150 m plus blade radius from the tower to every vegetation structure, two possibilities to reduce bat casualities at wind turbines arise:
1. Keeping a distance of 150 m plus blade radius, which corresponds actually to 190 to 200 m, from the tower to every vegetation structure, i. e. to all wood and water elements.
2. Using disconnecting times at bat activities of more than 1.33 flight activities per hour and site (to be estimated by stationary bat detectors).

Erscheinungsjahr:
2007
Sprache:
Deutsch
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