Band 12, Heft 2-3, Seite 115-127

Behr, O., Eder, D., Marckmann, U., Mette-Christ, H., Reisinger, N., Runkel, V., & von Helversen, O.: Akustisches Monitoring im Rotorbereich von Windenergieanlagen und methodische Probleme beim Nachweis von Fledermaus-Schlagopfern - Ergebnisse aus Untersuchungen im mittleren und südlichen Schwarzwald
Verkaufspreis2,50 €
Beschreibung

Zusammenfassung

Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass auch in Mitteleuropa erhebliche Zahlen von Fledermäusen an WEA zu Tode kommen können. Die Analyse möglicher Auswirkungen auf die Fledermaus-Fauna ist daher inzwischen Bestandteil des Genehmigungsprozesses für die meisten WEA-Standorte. Häufig werden an bestehenden Anlagen Totfundnachsuchen durchgeführt, um die Zahl von Schlagopfern durch Windenergie-Rotoren zu quantifizieren. Mehrere Untersuchungen (s. Niermann et al., Seiche et al. i. ds. Heft) haben jedoch gezeigt, dass die tatsächliche Zahl von Schlagopfern extrem unterschätzt werden kann, wenn bei den Totfundnachsuchen standortspezifische Korrekturfaktoren für absuchbare Fläche, Schwundrate und Nachsucheffizienz nicht berücksichtigt werden. Darüber hinaus sind Totfundnachsuchen an Standorten mit sehr hoher Schwundrate nur mit extrem großem Aufwand sinnvoll durchführbar. Alternative Methoden zur Erfassung des Kollisionsrisikos sollten daher etabliert werden. Wir konnten an drei Windenergie-Standorten im mittleren und südlichen Schwarzwald erstmals ein akustisches Monitoring der Fledermaus-Aktivität im Rotorbereich der Anlagen durchführen. Hieraus konnte das artspezifische Gefährdungspotenzial abgeleitet werden. Im Rotorbereich traten nahezu ausschließlich Zwergfledermaus, Kleinabendsegler und Rauhautfledermaus auf. Entgegen früherer Annahmen konnten wir also zeigen, dass auch strukturgebunden jagende und nicht fernziehende Arten wie die Zwergfledermaus zu den potenziell besonders gefährdeten Arten zu rechnen sind. Der Hauptgefährdungszeitraum erstreckte sich in unseren Untersuchungen nicht (nur) auf den Herbstzug, sondern bereits auch auf die Zeit nach dem Verlassen der Wochenstuben (Juli und August). Im Rotorbereich wurde sowohl Schwärmverhalten der Zwergfledermaus als auch Nahrungssuchverhalten (feeding-buzzes) aller drei nachgewiesenen Arten registriert. Fledermausaktivität im Rotorbereich trat während der ganzen Nacht auf und zeigte ein Maximum im ersten Drittel und ein deutlich niedrigeres Maximum am Ende der Nacht und ähnelte damit der am Boden machgewiesenen Aktivität. Sämtliche Fledermausaktivitäten im Rotorbereich beschränkten sich auf Windgeschwindigkeiten unter 6,5 ms⁻¹. Hieraus wurde für die untersuchten Standorte der Vorschlag abgeleitet, die Rotoren erst bei Windgeschwindigkeiten anlaufen zu lassen, in denen keine oder nur wenig Fledermausaktivität auftritt, um damit die „Fledermausverträglichkeit" der Anlagen zu erhöhen.

Summary

Acoustic monitoring in the rotor-swept area of wind turbines and methodologic problems in casuality search - results of studies in the middle and southern Black Forest

Acoustic monitoring in the rotor-swept area of wind turbines and methodologic problems in casuality search - results of studies in the middle and souhern Black Forest. Several recent studies have shown that relevant numbers of bat fatalities can occur at wind-energy facilities in central Europe as well as other parts of the world. Accordingly, the analysis of possible impacts on the local batfauna is now a prerequisite for administrative decisions regarding the construction of most wind-energy facilities in Germany. Often, fatality searches have been performed to quantify the number of bats killed at power plants after their construction. However, several studies have shown that fatality searches can drastically underestimate the actual number of bats killed when data are not corrected for the site-specific area searched, scavenger rate and searcher efficiency (s. Niermann et al., Seiche et al. i. ds. Heft). Moreover, at sites with high scavenger rates, fatality searches may hardly produce meaningful results even when a lot of time and effort is invested. Therefore, alternative methods should be developed to estimate the risk of collision for bats at wind energy facilities. At three wind energy sites in the black forest in southwestern Germany we could perform the first acoustic monitoring of bat activity in the rotor-swept area. This activity pattern reflects the species-specific risk of collision. The species detected in the rotor-swept area were the Common Pipistrelle, P. pipistrellus, Leisler's bat, N. leisleri, and Nathusius' Pipistrelle, P. nathusii. Contrary to previous assumptions we could show that also species like P. pipistrellus that are neither regarded as open-space foragers nor as long-distance migrators may be affected by wind-energy facilities. Also, our data show that the months of high risk do not just include the autumn migration, but already the time after bats leave their summer colonies (July and August). Bats showed swarming (P. pipistrellus) as well as foraging behaviour (all species) in the rotorswept area. Activity was generally lower at the nacelle than at the ground with a high maximum during the first third of the night and a lower maximum in the morning at both locations.
All bat activity registered in the rotor-swept area was restricted to wind-speeds below 6.5 ms⁻¹. We thus proposed a correspondingly higher site-specific cut-in windspeed for the wind power plants and thus recommended a restriction of rotor movement to higher wind speeds to reduce the risk of bat collision.

Erscheinungsjahr:
2007
Sprache:
Deutsch
Download

B12_H2-3_2007_S115-127.pdf

B12_H2-3_2007_S115-127.pdf